«Sharing Food» ist der neue Trend | Menu and More AG
«Sharing Food» ist der neue Trend
Fotolia 125950658 S

Sharing Food – Teilen ist im Trend

29.10.2018

Was liegt da Feines auf dem Teller vor meinem Tischnachbarn? Probieren ist jetzt kein Problem mehr! «Sharing Food» ist der neue Trend.

Natürlich ist geteiltes Essen in der Schweiz nichts komplett Neues. Bei der gemütlichen Fondue-Runde halten alle ihre Gabeln in denselben Topf und beim Raclette bedient man sich mit Kartoffeln und Scheibenkäse vom gleichen Plättchen. Ähnlich wird auch Couscous und Kartoffelsalat an der Grillparty geteilt. Und trotzdem sind wir stark an das europäische Tellergericht und eine Individualisierung unseres Essens gewohnt. So mag es zunächst etwas befremdlich wirken, wenn das Essen im Restaurant auf einmal in der Mitte des Tisches steht und jeder sich seinen Teil davon nimmt.


Foodies probieren Neues und sind Trendsetter

Gerade diese Individualisierung der Essgewohnheiten ist aber der Treiber für die neue Form des gemeinsamen Essens. Was man isst, ist heute Teil der eigenen Identität. Auf sozialen Netzwerken werden neben Selfies insbesondere Bilder der gerade genossenen Mahlzeiten geteilt und als individuelle Leistung präsentiert. In einer kontrollierten Gesellschaft ist das Essen einer der letzten Bereiche, auf welchen man grossen Einfluss nehmen kann. Jeder entscheidet selber, was auf seinem Teller landet und definiert sich durch diese Vorlieben und Einschränkungen. Veganer, Flexitarier, Vegetarier, Pescetarier, Rohköstler, Glutenallergiker, Laktoveganer, Omnivore und Herbivore – die Liste der Essgewohnheiten ist lang.

Die gutbürgerliche Schweizer Küche kommt mit solchen Anforderungen schnell an ihre Grenzen. Entsprechend gehen vor allem junge Leute auf der Suche nach einem neuen Umgang mit Gemüse und exotischen Lebensmitteln zum Inder, zum Spanier oder zum Israeli. Dort werden einem dann Tapas und Mezze angeboten, die mit allen Anwesenden geteilt werden sollen. Diese gemeinschaftliche Form des Essens passt auch bestens zu den individuellen Vorlieben jedes einzelnen. Diese fallen bei einer geteilten Mahlzeit aus vielen kleinen Gerichten wenig ins Gewicht.

Essen als gemeinsames und lustvolles Erlebnis

Der Trend, das Essen zu teilen, zieht sich heute durch alle Schichten der Gesellschaft. Ob bei veganen Snacks im angesagten Take-Away, bei Tapas im spanischen Klubhaus oder bei exquisiten Apérohäppchen im Luxus-Restaurant – Essen zum Teilen ist heute überall zu finden. Mit ein Grund dafür ist wohl auch die Qual der Wahl in einem riesigen Menüangebot. Sich aus einer Fülle von Speisen für ein einziges Gericht entscheiden zu müssen, kann schwierig sein. Viel verlockender erscheint da die Möglichkeit von verschiedenen Häppchen zu probieren und sich darüber zu Unterhalten.

Auf diese Lust am Probieren und gemeinsamen Entdecken setzt auch der Drei-Sterne-Koch Andreas Caminada. Im «Igniv», seinen beiden Restaurants in St. Moritz und Bad Ragaz, bietet er seinen Gästen ein «Fine-Dining-Sharing-Experience» erster Klasse an. Hier werden nur Sharing Dishes serviert. Das Teilen von Zeit, Genuss und Kulinarik soll dabei im Mittelpunkt stehen. Essen gewinnt damit als gesellschaftlicher Anlass an Bedeutung. Man entscheidet als Gruppe, welche Mahlzeiten bestellt werden mit dem Gedanken, dass jeder alles probieren soll. So wird aus dem gemeinsamen Abendessen ein lustvolles, geteiltes Erlebnis.

Mahlzeiten zu teilen macht sozialer

Die Beschaffung und Herstellung von Lebensmitteln ist seit Urzeiten eine Frage der Kooperation. Diese wertvolle Nahrung anschliessend fair unter allen Beteiligten aufzuteilen, war entscheidend für das Überleben und den Erfolg einer Gesellschaft. Doch sind solche sozialen Gewohnheiten in Zeiten des 24-Stunden Pizzakuriers noch sinnvoll?

Die Antwort darauf lautet ja. Eine kürzlich veröffentlichte Studie im Journal «Appetite» kommt zum Schluss, dass uns «Sharing Food» auch heute noch zu besseren Mitmenschen macht. Personen, die in ihrer Kindheit die Mahlzeiten öfter in der Familie geteilt hatten, zeigten dabei eine deutlich grössere Bereitschaft zu altruistischen Handlungen. So waren sie schneller dazu bereit, ihren Sitzplatz herzugeben, Fremden die Richtung zu zeigen oder ihren Freunden beim Umzug zu helfen. Charlotte De Backer von der Universität Antwerpen kommt nach diesen Untersuchungen zum Schluss, dass unsere individualisierte westliche Gesellschaft vom «Sharing Food» heute mehr denn je profitieren kann.

Es kann sich also lohnen, beim nächsten Restaurantbesuch auf ein teilbares Angebot zu achten.

Quelle Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666314004656