Helene Teuscher, Leiterin Human Resources, steht vor der Geschäftsleitung und stellt ihren Plan für den Betriebstag am 10. Juli 2026 vor: Kurzschulungen von Pulmotion der Lungenliga Aargau zu Schlaf, Resilienz und Rauchstopp. Am Tisch regt sich Skepsis. Wir beschäftigen viele Mitarbeitende in Küche, Produktion und Logistik. Bei einem Anteil von 80 % Männern in der Belegschaft, deren Arbeit im Produktions- und Logistikumfeld sehr körperlich geprägt ist, spricht man klassischerweise weniger offen über Stress oder Resilienz. Die Runde fragt sich, ob unsere Mitarbeitenden wirklich Interesse an einem Kurs über ihren Schlaf hätten – oder ob das als eine Art «Bevormundung» wahrgenommen werden könnte. Zudem: Wer über Müdigkeit oder Stress spricht, gibt vor den Kollegen schnell eine Schwäche zu.
Helene Teuscher hält dagegen: Die «soften» Gesundheitsthemen seien genauso wichtig wie die handfesten, sagt sie – und entscheidet gemeinsam mit dem Rest der Geschäftsleitung, es zu versuchen.
Im Vergleich dazu boten wir vergangenes Jahr eine «klassische» Massnahme des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) an: eine SUVA-Schulung zum richtigen Heben von Lasten, um Rückenproblemen vorzubeugen. Viele der Teilnehmenden arbeiten in der Logistik. Wie wir leider feststellen, heben die Mitarbeitenden heute immer noch oftmals «falsch», respektive ging wahrscheinlich einiges schon wieder vergessen.
Am Betriebstag kommt es anders. Die erwähnten Kurzschulungen erhalten mehr positives Feedback, als wir erwartet haben, und die Themen treffen auf echtes Interesse. Viele Mitarbeitende beschäftigen sich noch Wochen später damit.
Helene Teuscher: „Mich hat überrascht, dass eine naheliegende BGM-Massnahme vermeintlich weniger Wirkung entfaltete als eine andere, der im Vorfeld weniger Potenzial zugeschrieben wurde.“
Was bei den Menschen wie ankommt, lässt sich vorher kaum voraussagen. Wir probieren deshalb weiter Neues aus, auch wenn es vielleicht vordergründig nicht gerade für alle passt. BGM-Massnahmen können eben durchaus auch an Grenzen stossen und sind nicht überall im Betrieb auf Anhieb willkommen. Wenn aber auch nur ein paar wenige «Skeptiker» abgeholt werden konnten, so hat es sich schon ausgezahlt. Als Unternehmen, welches mit dem Label «Friendly Work Space®» ausgezeichnet ist, bieten wir jährlich ein festes Programm an und dies hilft uns ein Stück weit, immer dranzubleiben.
Das gilt auch für alle, die zukünftig bei uns arbeiten möchten: Wir nehmen die Gesundheit unserer Mitarbeitenden ernst.